
Man kann ja einer kleinen regionalen Tageszeitung nicht vorwerfen, dass sie nicht auf einem Faltblatt erscheint und deshalb täglich viele große Seiten mit vielen überflüssigen Informationen füllen muss. Andererseits kann man auch vom krassen Rapper Bushido halten was man will, vorzugsweise ihn für einen Idioten. Verlässt dann aber das Gangster-Würstchen sein Ghetto, um in die große brutale Welt auszuziehen und die Dörfer das Fürchten zu lehren, ist die Kernschmelze im Gange. Rapperlein und Regionalpresse vereinen sich zu einer Spirale des Sachverstandes, die Seiten füllen sich, die Leser fürchten sich, des Lesers Kind frohlockt und die CD-Verkäufe ziehen nochmal an. Juhu, Rebellion. Gangster, liebe Kinder, schreibt man übrigens wirklich mit “er” am Ende. Und so beginnt die Berichterstattung. Ein Redakteur hat Wind vom Killerkonzert bekommen und begibt sich auf die Jagd. Er wird fündig. In Dillingen wartet Sylvia, selbst Mutter und außer dass sie Mädchen das Kämpfen lehrt nicht weiter spezifiziert, bereits mit einer Kanne Kaffee und einer gehörigen Portion Wut im Bauch, denn:

Ein Fall also für´s Verfassungsgericht. Oder eben für die Zeitung. Sylvia ärgert dabei besonders, dass niemand über Männer oder Politiker als Objekt männlicher Triebbefriedigung singt.


Wirklich? Unabhängig davon, dass es zwischen Politikern und Frauen durchaus eine gewisse Schnittmenge geben soll, liegt aber nahe, warum erstere selten lüstern besungen werden.

Man könnte sogar den Eindruck bekommen, dass Sylvia inzwischen eine gewisse Sympathie für den Feind entwickelt hat. Jedenfalls sind ihre Textkenntnisse beachtlich. Natürlich ist das ein Nebeneffekt der Aufklärungsarbeit, genau wie die Speckbildchen zwischen den wissenschaftlichen Artikeln im Playboy (auch keine Politiker!). Oder doch das Stockholm-Syndrom?

Sie braucht den Ärger, pusht sich täglich schon zum Frühstück mit Feindgesängen.
Für Sylvia geht der Weg in die Zeitung aber zunächst mal über Basisarbeit. Klingenputzen, Hände schütteln. Auf einer Tupperparty bei Gabi In einem Café verteilt sie an unbeteiligte Gäste Flugblätter und provoziert den Ärger von Kundschaft und Personal. Um ein Haar löst sie dabei eine Revolution aus.
Für die Zeitung wär´s egal gewesen. Caféhaus-Revolutionen und Bushido-Konzerte füllen gleichermaßen die Zeilen. Derweil ist der Zeitungsartikel an dieser Stelle fast schon zu Ende. Details über die mutmaßliche Unterschriftensammlerin, deren Unterstützer oder Gegner bleibt uns das Blatt schuldig, es bleibt aber die Hoffnung, dass Sylvia fortan bis zum Konzert des Feindes von Seiten der Zeitung begleitet wird. Zum großen Finale werden wir hoffentlich ein Bild von ihr sehen. Sylvia hat erkannt, dass gegen die Großen eben nichts zu machen ist, zeigt aber, dass auch die Kleinen sich nicht unterkriegen lassen. Das Bild, wie sie eine Rose in den Eingang der Halle legt, während drinnen gerade Frauen gedisst werden, geht um die Welt. Oder zumindest durch den Dillinger Regionalteil der Saarbrücker Zeitung.